Der Digitale Produktpass (DPP) kommt 2027 – das sind die Folgen im E-Commerce

Tina
von Tina
24.11.2025
02:50 MIN

Der digitale Produktpass (DPP) zu einem Produkt enthält strukturierte Angaben zu Material und Eigenschaften des Produktes, die für Nutzung, Reparatur und Entsorgung wichtig sind. 2027 wird der DPP in der Europäischen Union für erste Produkte verpflichtend. Das Ziel der Regelung: Produkte sollen leichter reparierbar und recyclebar werden, und nachhaltigere Produkte sollen attraktiver werden.

Diese neue Regulierung ist für Onlinehändler zum einen natürlich eine neue regulatorische Anforderung. Andererseits ist es auch eine gute Gelegenheit, den Kunden mehr Transparenz zu bieten und damit das Vertrauen zwischen Kunden und Händlern zu stärken – und zwar auf breiter Basis, weil alle mitmachen. 

Das ist der Zeitplan

Im Februar 2027 wird der DPP zunächst für Akkus ab einer Größe von über 2 kWh, die für Anwendungen in der Industrie und in Fahrzeugen verpflichtend. Bis 2030 sollen dann schrittweise weitere Produktkategorien folgen. Darunter sind etwa Produktkategorien wie Textilien, Kleidung und Schuhe sowie Möbel und Matratzen.

Gerade Textilien sind für den Onlinehandel eine enorm wichtige Kategorie. Hier wird es in der noch anstehenden Regulierung vor allem um Materialien und  Faseranteile, den Anteil recycelter Materialien, die Herkunft sowie Hinweise zu Reparierbarkeit, Pflege und Recycling gehen.

Was bedeutet das für Händler

Für Händler entstehen aus dieser neuen Regelung vordergründig Pflichten, ihre Kunden direkt im Shopsystem aktiv zu informieren: Sie müssen den DPP zu jedem regulierten Produkt so hinterlegen, dass der DPP für Endkunden, Behörden oder Rücknahmestellen leicht zugänglich ist – z. B. über einen sichtbaren Link, einen QR-Code in der Produktdetailseite oder eine gleichwertige Lösung. 

Dabei unterscheiden sich die Anforderungen im B2C- und B2B-Onlinehandel: Gegenüber Verbrauchern geht es vor allem um transparente Informationen zum CO₂-Fußabdruck, den verschiedenen Materialanteilen sowie der Recyclingfähigkeit.

Gegenüber Firmenkunden ist es wichtig, die vollständigen Daten über Schnittstellen bereitzustellen, damit entlang der gesamten Lieferkette jederzeit alles nötige verfügbar ist. Dabei sind zum Beispiel zusätzlich zum jeweiligen Produkt zugehörige Prüfberichte, Lieferantennummern und Industrienormen relevant.

Technische Vorbereitungen

Weil sich das jeweilige berechtigte Informationsinteresse zwischen Verbrauchern, Akteuren entlang der Lieferkette sowie von Regulierungsbehörden deutlich unterscheiden, etabliert sich in der Praxis ein Drei-Schichten-Modell:

Der Public Layer enthält die relevanten Informationen für die Verbraucher. Diese Daten sind für B2C-Händler relevant, denn sie müssen den Verbrauchern zugänglich gemacht werden.

Der Restricted Layer enthält Informationen, die für alle professionellen Akteure entlang der Lieferkette wichtig sind. Ob und auf welche Teile diese Daten jemand zugreifen kann, hängt von der jeweiligen Rolle, dem legitimen Interesse sowie dem Rechtsrahmen ab. Diese Daten müssen von B2B-Händlern an ihre Kunden weitergegeben werden.

Für die Arbeit von Regulierungsbehörden, aber auch von Herstellern selbst, gibt es zusätzlich noch den Confidential Layer, der natürlich noch härtere Zugangsvoraussetzungen erfordert.

Das alles bedeutet für Betreiber von E-Commerce-Plattformen: Es muss im Shopsystem entsprechende Datenfelder geben, in denen dann der DPP referenziert wird. Durch eine Anbindung an ein passendes DPP-Repository wie etwa ecoinform.de kann der DPP dann aus einer zentralen Datenbasis bereitgestellt werden. Um den jeweils passenden DPP zuverlässig zu finden, werden DPP-Resolver als API eingebunden. 

Der DPP sollte dabei mit der GTIN/EAN als Referenz-ID abgelegt werden, sodass sich mithilfe der GTIN/EAN ohne weiteren Aufwand auf den DPP verlinken lässt. Das automatisiert die Compliance regelrecht und macht die Verbindung mit einem Kassensystem leichter.

Ein Ökosystem entsprechender Dienste ist bereits entstanden. Für Shopware gibt es bereits geeignete Plugins, bei deren Auswahl, Anpassung und Einbau wir Sie natürlich gern beraten und unterstützen.

Nicht vergessen: DPP-Einträge prüfen

Ist die technische Basis gelegt, müssen Händler prüfen oder prüfen lassen, ob die Datenfelder auch wirklich jeweils mit der passenden DPP-Referenz für die relevanten Produkte gefüllt sind, damit der DPP für Nutzende jederzeit sichtbar ist. Auch müssen Händler sicherstellen, dass der referenzierte DPP den regulatorischen Anforderungen entspricht. Denn nicht nur fehlende Daten, sondern auch unvollständige oder falsche Daten bergen ein Haftungsrisiko. 

Wo die Reise hingeht

Aus unserer Sicht sollten Händler die DPPs ihrer Produkte frühzeitig proaktiv und gut sichtbar präsentieren - das ist offensichtlich für die demnächst anstehenden Pflichtkategorien, aber auch sinnvoll für andere Produkte, namentlich Textilien. So können Händler sich ihren Kunden gegenüber als im Vergleich zum Wettbewerb als die nachhaltigere Wahl profilieren. Denn: Entsprechende Produktvergleiche, etwa nach Reparierbarkeit oder Recyclingfähigkeit der Produkte und ihrer Teile und Inhaltsstoffe, sind aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit.

 

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